Die richtige Dosierung von Duftöl in Seife beeinflusst nicht nur die Duftintensität, sondern auch Verarbeitung, Stabilität und Verträglichkeit des fertigen Produkts.
Als praxisorientierter Ausgangspunkt können bei Cold-Process-Seife häufig 3–5 % Duftstoff bezogen auf die eingesetzte Öl- und Fettmenge getestet werden. Bei Melt-&-Pour-Seife liegt die typische Einsatzmenge meist niedriger. Entscheidend ist jedoch immer das produktspezifische IFRA-Zertifikat des verwendeten Duftstoffs.
Wichtig:
Technologische Dosierung und maximal zulässige IFRA-Einsatzkonzentration sind nicht dasselbe.
Duftöl-Dosierung für Seife – schnelle Übersicht
| Seifenart | Praxisorientierter Startbereich* |
|---|---|
| Cold Process | 3–5 % der Öl-/Fettmenge |
| Hot Process | 3–5 % der Öl-/Fettmenge |
| Melt & Pour | 1–2 % der Seifenbasis |
* Diese Werte sind technologische Orientierungswerte und keine allgemeinen IFRA-Grenzwerte. Die tatsächlich geeignete Dosierung hängt vom Duftstoff, der Rezeptur, der Seifenbasis und der produktspezifischen Dokumentation ab.
Duftöl-Dosierung für Cold-Process-Seife
Bei Cold-Process-Seife wird die Duftstoffmenge in Rezepturen häufig auf die eingesetzte Öl- und Fettmenge bezogen.
| Duftintensität | Dosierung | Beispiel bei 1 kg Ölen |
|---|---|---|
| leicht | 2 % | 20 g |
| Standard | 3 % | 30 g |
| intensiv | 4 % | 40 g |
| sehr intensiv | 5 % | 50 g |
Praxisorientierter Start: etwa 3 %.
Anschließend kann die Konzentration – sofern produktspezifische Dokumentation und Rezepturstabilität dies zulassen – schrittweise angepasst werden.
Eine höhere Duftstoffmenge bedeutet nicht automatisch einen besseren oder länger anhaltenden Duft.
Duftöl-Dosierung für Melt & Pour
Bei Melt-&-Pour-Seife muss zusätzlich die Empfehlung des Herstellers der verwendeten Seifenbasis beachtet werden.
| Duftintensität | Dosierung | Beispiel bei 1 kg Basis |
|---|---|---|
| leicht | 0,5 % | 5 g |
| Standard | 1 % | 10 g |
| intensiv | 1,5 % | 15 g |
| stark | 2 % | 20 g |
Ein Testbereich von 1–2 % kann häufig ein sinnvoller Ausgangspunkt sein, sofern die Seifenbasis und die produktspezifischen Anforderungen dies zulassen.
Was bedeutet der IFRA-Grenzwert bei Seife?
Die IFRA Standards legen keine pauschale maximale Duftölmenge für alle Seifen oder einzelne Duftfamilien fest.
Die relevante maximale Einsatzkonzentration einer Duftmischung ergibt sich aus ihrer konkreten Zusammensetzung und den für die vorgesehene Anwendung geltenden IFRA Standards.
IFRA erläutert außerdem ausdrücklich, dass quantitative Obergrenzen regulierter Duftmaterialien auf deren Konzentration im fertigen Verbraucherprodukt bezogen sind.
Deshalb gilt
Nicht „Citrus“, „Floral“ oder „Woody“ bestimmt den zulässigen Wert, sondern die konkrete Duftkomposition und die dafür erstellte produktspezifische Dokumentation.
Technologische Dosierung und IFRA-Grenzwert
Dieser Unterschied ist besonders wichtig.
Technologische Dosierung
Beispiel:
1.000 g Öl-/Fettmenge
4 % Duftstoff
= 40 g Duftstoff
Die 4 % beziehen sich in dieser Rezepturrechnung auf die verwendete Öl- und Fettmenge.
IFRA
IFRA-Grenzen werden dagegen anhand der vorgesehenen Endanwendung und der relevanten regulierten Duftbestandteile beurteilt.
Deshalb darf ein Prozentwert aus einer Seifenrezeptur nicht ungeprüft mit einem Wert aus der IFRA-Dokumentation gleichgesetzt werden.
Formel zur Berechnung
Duftstoffmenge = Öl-/Fettmenge × Dosierung (%) ÷ 100
Beispiel
1.000 g Öl-/Fettmenge
4 % Duftstoff
1.000 × 4 ÷ 100 = 40 g
Tabelle nach Batchgröße
| Öl-/Fettmenge | 3 % | 4 % | 5 % |
|---|---|---|---|
| 500 g | 15 g | 20 g | 25 g |
| 1.000 g | 30 g | 40 g | 50 g |
| 2.000 g | 60 g | 80 g | 100 g |
| 5.000 g | 150 g | 200 g | 250 g |
Diese Tabelle ist eine Rechenhilfe, keine allgemeine Freigabe der jeweiligen Konzentration.
Wann wird Duftöl zugegeben?
Cold Process
Duftstoff wird häufig bei leichter Emulsion bzw. leichtem Trace eingearbeitet.
Da manche Duftkompositionen die Verarbeitung verändern können, empfiehlt sich bei einem neuen Duft zunächst eine kleine Testcharge.
Hot Process
Bei Hot Process wird der Duftstoff üblicherweise nach der eigentlichen Verseifungsphase eingearbeitet.
Melt & Pour
Der Duftstoff wird in die geschmolzene Seifenbasis eingearbeitet. Dabei sollten die Verarbeitungshinweise des Herstellers der jeweiligen Basis beachtet werden.
Warum kann Duftöl Seife verfärben oder andicken?
Duftstoffe sind komplexe Mischungen.
Je nach Zusammensetzung und Rezeptur können beispielsweise auftreten:
- schnelleres Andicken
- Farbveränderungen
- veränderte Duftwahrnehmung nach der Reifung.
Eine detaillierte Ursachenanalyse finden Sie in unserem Beitrag „Warum Duftöl Seife verfärbt oder den Seifenleim andickt“.
So bestimmen Sie die richtige Dosierung
1. Produktspezifische IFRA-Dokumentation prüfen
Vor der endgültigen Rezeptur.
2. Seifenart berücksichtigen
Cold Process, Hot Process und Melt & Pour besitzen unterschiedliche Verarbeitungssysteme.
3. Moderat beginnen
Bei Cold Process kann beispielsweise zunächst eine moderate Testkonzentration gewählt werden.
4. Kleine Testcharge herstellen
Dokumentieren Sie:
- Verarbeitung
- Andickung
- Farbe
- Duftintensität
- Duft nach der Reifezeit.
5. Rezeptur optimieren
Erst danach sollte über eine Änderung der Konzentration entschieden werden.
FAQ
Wie viel Duftöl kommt in 1 kg Seife?
Das lässt sich ohne Angabe der Rezepturbasis nicht mit einem einzigen Wert beantworten.
Bei 1.000 g Öl-/Fettmenge entsprechen beispielsweise:
3 % = 30 g
4 % = 40 g
5 % = 50 g
Die Zulässigkeit und technische Eignung müssen separat geprüft werden.
Sind 5 % Duftöl in Seife erlaubt?
Nicht automatisch.
Die konkrete Duftkomposition und die vorgesehene Anwendung sind entscheidend.
Gibt es einen allgemeinen IFRA-Grenzwert für Seife?
Nein. IFRA arbeitet nicht mit einer einzigen universellen maximalen Duftölmenge für alle Duftmischungen.
Haben Citrus-, Floral- und Woody-Düfte feste unterschiedliche IFRA-Werte?
Nein.
Die Duftfamilie allein legt keinen solchen universellen Prozentwert fest.
Ist der höchste zulässige Wert automatisch die beste Dosierung?
Nein.
Eine sicherheitsbezogene Obergrenze ist keine technologische Empfehlung.
Professionelle Empfehlung von Aroma Nova
Für die Entwicklung einer neuen Seife empfehlen wir keine pauschale Maximaldosierung für alle Duftstoffe.
Das professionelle Vorgehen lautet:
1. Dokumentation prüfen
2. Moderate Testkonzentration wählen
3. Kleine Charge herstellen
4. Verarbeitung und Reifung bewerten
5. Rezeptur optimieren
Sicherheit und IFRA
Die IFRA Standards sind ein international angewendetes freiwilliges Risikomanagementsystem der Duftstoffindustrie. Sie ersetzen weder eine vollständige Sicherheitsbewertung noch die Einhaltung geltender gesetzlicher Vorschriften.
Bei Aroma Nova stehen die verfügbaren IFRA-Dokumente, Sicherheitsdatenblätter und Allergeninformationen direkt beim jeweiligen Duftstoff zur Verfügung. Die aktuelle veröffentlichte Seifen-Dosierungsseite weist bereits in diese Richtung.
Fazit
Die richtige Duftöl-Dosierung für Seife entsteht nicht durch einen einzigen universellen Prozentwert.
Sie ergibt sich aus:
Duftstoff + Rezeptur + Seifenart + technologischer Test + produktspezifischer Dokumentation.
Fachlich geprüft: Aroma Nova Produktentwicklung
Stand: August 2026
Fachquellen
International Fragrance Association – Using the IFRA Standards.
International Fragrance Association – Certificate of Conformity.
International Fragrance Association – Understanding the IFRA Standards.
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