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Eugen Gorkurov
12. Aug 2026

Duftöl für Kerzen richtig dosieren: Tabelle, Berechnung & Praxistest

Duftöl für Kerzen richtig dosieren – Berechnung und Test verschiedener Duftstoffkonzentrationen

Duftöl für Kerzen richtig dosieren: Tabelle, Berechnung & Praxistest

Wie viel Duftöl in eine Kerze gehört, lässt sich nicht mit einem einzigen universellen Prozentwert beantworten.

Die geeignete Duftstoffmenge hängt unter anderem vom konkreten Wachs, der Duftkomposition, dem Docht, dem Gefäß und dem gewünschten Duftergebnis ab. Auch professionelle Wachshersteller geben je nach Wachstyp unterschiedliche Verarbeitungshinweise und Duftstoffmengen an. Cargill empfiehlt beispielsweise für bestimmte NatureWax-Anwendungen andere Belastungen und Verarbeitungsbedingungen als für andere Wachstypen.

Die technisch sinnvolle Duftstoffmenge sollte deshalb immer mit den Angaben des konkreten Wachsherstellers und der produktspezifischen Duftstoffdokumentation abgeglichen werden.

Eine höhere Duftölmenge bedeutet nicht automatisch einen stärkeren Hot Throw.

Wie wird Duftöl für Kerzen berechnet?

Bei Kerzen wird die Duftstoffmenge üblicherweise auf die eingesetzte Wachsmenge bezogen.

Formel:

Duftstoffmenge = Wachsmenge × Dosierung (%) ÷ 100

Beispiel

500 g Wachs
8 % Duftstoff

500 × 8 ÷ 100 = 40 g Duftstoff

Für diesen Testansatz würden also 40 g Duftstoff auf 500 g Wachs eingesetzt.

Berechnungstabelle für Kerzen

Die folgende Tabelle ist ausschließlich eine Rechenhilfe.

Sie bedeutet nicht, dass jede dieser Konzentrationen für jedes Wachs oder jeden Duftstoff empfohlen oder zulässig ist.

Wachsmenge 6 % 8 % 10 %
100 g 6 g 8 g 10 g
200 g 12 g 16 g 20 g
250 g 15 g 20 g 25 g
500 g 30 g 40 g 50 g
1.000 g 60 g 80 g 100 g
5.000 g 300 g 400 g 500 g

Gibt es ein allgemeines Maximum für Sojawachs?

Nein.

Eine Aussage wie:

„Sojawachs verträgt maximal 12 % Duftöl“

ist zu pauschal.

Selbst innerhalb einer einzigen Wachsfamilie können sich verschiedene Produkte deutlich unterscheiden. Ein technisches Datenblatt von Cargill nennt für einen NatureWax-Typ beispielsweise 6 % als empfohlene maximale Duftstoffmenge, während höhere Belastungen nur unter zusätzlichen Bedingungen beschrieben werden. Andere Cargill-Unterlagen nennen wiederum andere typische Bereiche.

Deshalb gilt:

Nicht „Sojawachs“ oder „Rapswachs“ bestimmt allein die maximale Duftstoffmenge, sondern das konkrete Wachsprodukt.

Dasselbe gilt für:

  • Rapswachs
  • Kokoswachs
  • Paraffin
  • Soja-Blends
  • Raps-Blends.

Wann wird Duftöl in das Wachs gegeben?

Auch die optimale Zugabetemperatur ist nicht für alle Wachse identisch.

Cargill nennt beispielsweise für seine NatureWax-Systeme häufig einen Bereich von etwa 73–85 °C, weist aber ausdrücklich darauf hin, dass die geeignete Temperatur vom konkreten Wachstyp abhängt. Einzelne technische Datenblätter nennen wiederum eigene Verarbeitungstemperaturen.

Deshalb sollte nicht pauschal auf jeder Kerzenrezeptur stehen:

„Duftöl immer bei 70–85 °C einrühren.“

Besser ist:

Professionelles Vorgehen

  1. Technisches Datenblatt des verwendeten Wachses prüfen.
  2. Wachs nach Herstellerempfehlung schmelzen.
  3. Duftstoff exakt abwiegen.
  4. Duftstoff bei der für dieses Wachssystem geeigneten Temperatur zugeben.
  5. Sorgfältig und gleichmäßig einarbeiten.
  6. Kerze unter kontrollierten Bedingungen gießen.
  7. Nach geeigneter Reifezeit testen.

Warum mehr Duftöl nicht automatisch mehr Duft bedeutet

Die Duftleistung einer Kerze entsteht aus einem Gesamtsystem.

Relevant sind:

  • Duftkomposition
  • Duftstoffkonzentration
  • Wachs
  • Docht
  • Gefäßdurchmesser
  • Schmelzpool
  • Temperatur
  • Reifezeit
  • Luftbewegung im Raum.

Zu hohe Duftstoffmengen können bei manchen Wachssystemen zu Problemen wie Separation oder verändertem Brennverhalten führen. Auch Cargill weist darauf hin, dass Duftstoffmenge und Docht gemeinsam auf das Brennsystem abgestimmt werden müssen.

Deshalb kann eine technisch gut abgestimmte Kerze mit beispielsweise 8 % Duftstoff einen besseren Hot Throw besitzen als eine schlecht abgestimmte Kerze mit 10 %.

Cold Throw und Hot Throw

Cold Throw

Cold Throw beschreibt den Duft der kalten, nicht brennenden Kerze.

Hot Throw

Hot Throw bezeichnet die Duftwirkung während des Brennens.

Ein guter Cold Throw garantiert keinen guten Hot Throw.

Beim Brennen beeinflussen insbesondere:

  • Temperatur
  • Docht
  • Schmelzpool
  • Wachs

die Freisetzung der Duftbestandteile.

Mehr dazu finden Sie im Aroma-Nova-Beitrag „Cold Throw & Hot Throw bei Duftkerzen“. Die aktuelle Fachseite erläutert diese Faktoren bereits getrennt.

Welchen Einfluss hat der Docht?

Der Docht ist ein wesentlicher Bestandteil der Rezeptur.

Seine Dimensionierung beeinflusst:

  • Flammenhöhe
  • Wärmeeintrag
  • Schmelzpool
  • Brenngeschwindigkeit.

Wachshersteller nennen deshalb unter anderem Wachstyp, Gefäß und Duftstoffbeladung als Faktoren für die Dochtauswahl.

Nach einer deutlichen Änderung der Duftstoffmenge sollte deshalb auch der Docht erneut getestet werden.

Professioneller Duftkerzen-Test

Für einen neuen Duft empfiehlt es sich, mehrere kleine Testkerzen herzustellen.

Beispielsweise können – sofern das eingesetzte Wachs und die produktspezifischen Anforderungen dies erlauben – unterschiedliche Duftstoffkonzentrationen miteinander verglichen werden.

Alle übrigen Faktoren sollten möglichst konstant bleiben.

Prüfkriterium Test A Test B Test C
Duftstoffkonzentration
Oberfläche
Cold Throw
Hot Throw
Flammenhöhe
Schmelzpool
Rußbildung
Behältertemperatur
Brenndauer

Dadurch lässt sich feststellen, ob eine höhere Konzentration tatsächlich einen Vorteil bringt.

IFRA und Duftkerzen

IFRA Standards legen für bestimmte Duftbestandteile Verbote, Beschränkungen oder Spezifikationen fest. Quantitative IFRA-Grenzen beziehen sich auf die Konzentration des betreffenden Duftbestandteils im fertigen Verbraucherprodukt, nicht einfach auf einen pauschalen Prozentsatz für „Duftöl“.

Das produktspezifische IFRA Certificate sollte deshalb bei der Entwicklung eines Endprodukts berücksichtigt werden.

Ein IFRA Certificate ersetzt jedoch keine vollständige Sicherheitsbewertung und keine gesetzlichen Anforderungen. IFRA weist darauf ausdrücklich hin.

FAQ

Wie viel Duftöl kommt in eine Kerze?

Es gibt keinen universellen Wert. Die geeignete Konzentration hängt vom konkreten Wachs und Duftstoff sowie vom Ergebnis des Brenntests ab.

Sind 10 % Duftöl immer möglich?

Nein. Der zulässige und technisch sinnvolle Bereich hängt vom konkreten Wachs und der Duftstoffdokumentation ab.

Wann wird Duftöl zugegeben?

Bei der für das konkrete Wachssystem empfohlenen Verarbeitungstemperatur.

Warum riecht meine Kerze kalt stark, aber beim Brennen schwach?

Mögliche Ursachen sind unter anderem Docht, Schmelzpool, Wachs und Duftstoffkonzentration.

Muss eine neue Rezeptur gebrannt werden?

Ja. Duftwirkung und Brennsicherheit können nicht ausschließlich anhand der kalten Kerze beurteilt werden.

Fazit

Die optimale Duftölmenge für eine Kerze ist kein fixer Standardwert.

Das professionelle Vorgehen lautet:

Wachshersteller prüfen → Duftstoffdokumentation prüfen → Testkonzentration wählen → Kerze herstellen → vollständigen Brenntest durchführen → Rezeptur optimieren.

Fachlich geprüft: Aroma Nova Produktentwicklung
Stand: August 2026

Fachquellen

Cargill NatureWax – Verarbeitung, Duftstoffbeladung und Dochtauswahl.
International Fragrance Association – IFRA Standards und Anwendung von Certificates of Conformity.

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